KUNST DER BEWEGUNG
Einen Monat lang sind die Augen der Berner und Bernerinnen besonders auf die Bühne der Dampfzentrale gerichtet, wo sie lang im Gedächtnis bleibende Geschichten erwarten. Am Festival Heimspiel wird der Tanz zelebriert.
Das hiesige zeitgenössische Tanzschaffen verdient Aufmerksamkeit und Bewunderung. Wo könnte ihm diese anders zu Teil werden, als da, wo die lokale Tanzszene ihr Zentrum hat, da wo ihnen eine der besten Bühneninfrastruktur der Stadt zur Verfügung steht. Einen Monat lang regieren in der Dampfzentrale Tänzerinnen und Tänzer, wenn dort zum siebten Mal das Festival Heimspiel stattfindet. Seit die freie Tanz- und Theaterszene Berns Mitte der Achtzigerjahre auf der Suche nach neuen Auftrittsorten schliesslich in der Dampfzentrale fündig wurde, spielt das historische Backsteingebäude an der Aare sowohl als Produktions- als auch als Präsentationsort eine wichtige Rolle im Schaffen der professionellen lokalen Tanzszene.
Am diesjährigen Heimspiel sind neun Produktionen von verschiedenen Berner Künstler und Künstlerinnen auf der Bühne zu sehen. Mit atemberaubenden Choreografien, zwischen furchterregend und faszinierend, tragisch und voller Humor, tanzen sie sich in die Herzen des Publikums. Nach einem Blick auf das durchgehend eindrückliche Programm stellen wir euch hier drei der Produktionen näher vor.
ES LIEGT AN MIR | DIE ANDEREN SIND SCHULD
Was geschieht, wenn das gesellschaftlich ausgegrenzte Opfer der medialen Unterdrückung auf den Geschmack der Selbstinszenierung kommt? Das Gefühl der Aufmerksamkeit, die Hoffnung auf Berühmtheit, das Träumen von Macht kann ein Opfer in Windeseile zum Täter werden lassen. Diese Tatsache bringt der Berner Schauspieler und Regisseur Peter Zumstein mit seinem Ein-Mann-Stück eindrücklich vors Publikum.
LET’S GET PHYSICAL
Das 2002 in Bern gegründete Kollektiv Delgado Fuchs ist bekannt dafür, das Publikum mit seinen Performances und Installationen zum Nachdenken über den menschlichen Körper zu bringen. Auch in ’Let’s Get Physical’ dreht sich alles um die Beziehung zwischen unserem Körper und dessen Erscheinungsbild. Wirklich durchschaubar wird das Ganze nie, wenn rund zwanzig Personen auf der Bühne halb ernsthaft, halb ironisch ausmessen, erforschen und nach der Begründung für die Bewegung und Veränderung des Körpers suchen.
GRAATZUG – DAS BÜHNENSTÜCK ZUM FILM
Verdammt auf alle Zeiten, das sind die Sünder des Graatzugs. Von ihnen erzählt eine Walliser Sage, über die das Kollektiv deRothfils gemeinsam mit Regisseur Jan Mühlethaler von roja-films den gleichnamigen Tanzfilm ’Graatzug’ drehten, der bereits im Oktober letzten Jahres am Shnit Kurzfilmfestival auf Begeisterung stiess. Macht euch auf was gefasst, wenn nämlich die Geister des Graatzugs die Bühne betreten, tun sich Abgründe auf, eisig kalt und grauenhaft.











