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 | unterwegs mit david böhner
Unser Melder empfängt diesmal starke Bewegungssignale aus der Reitschule. Brennt's? David Böhner lädt uns ein, erzählt uns über seine 20Jahre Reitschule und zeigt, wer sich alles für ein Nein an der nächsten Abstimmung zusammengefunden hat.
Unterwegs in der Reitschule, für den bewegungsmelder alles andere als Aussergewöhnlich. Doch irgendwie sind dies keine normalen Umstände, denn die in diesem September kommende Abstimmung beeinflusst die Atmosphäre. Unser Besuch der Berner Reitschule wird ein Besuch ins Zentrum der aktuellen Diskussion, über die Nichtig- oder Wichtigkeit dieses Kulturhauses. Hinein in den Hof.
Vorbereitung auf einen bewegten Winter
Im Hof treffen wir David Böhner, der vor allem in der Druckerei der Reitschule zu Hause ist. Seit bereits 20 Jahren trifft man ihn im Kulturzentrum fast täglich an, seine Erlebnisse und Erfahrungen hier fliessen unvermeidbar in unser Gespräch mit ein. „Die Druckerei hat sich langsam entwickelt, so eins nach dem anderen“. Gearbeitet wird auch heute, es riecht nach Tinte und überall hängen Plakate, die auch ein Teil der Reitschulgeschichte erzählen. Von digitalem Druck über Siebdruck ist einiges machbar, die interne Zeitung 'megafon' wird zum Beispiel hier produziert. „Trotzdem sind die Möglichkeiten zum Teil begrenzt, doch die Freiheiten des Jobs kompensieren viel.“ Seinen Arbeitsplatz würde er gegen keinen anderen eintauschen wollen, auch wenn vergleichsweise weniger Geld in sein Portemonnaie fliesst.
Zurück im Hof bemerkt man vor allem eins: An allen Ecken wird renoviert. Es scheint, als ob man sich auf einen bewegten und intensiven Winter vorbereiten würde. „Es ist nicht so aussergewöhnlich, dass im Sommer überall umgebaut wird. Diesmal vielleicht etwas mehr.“ Durch den Hof gelangen wir in einen etwas grösseren Raum, dem Kino. Mittlerweile sind fast alle alte Sofas durch neue Kinosessel ersetzt worden. Manch einer wird dabei wehmütig: „Schade, dass die Sofas immer mehr verdrängt wurden. Es bleiben nur noch ein paar wenige in den vordersten Reihen“, trauert David der Änderung nach, „aber auch sonst ist dieser Raum einer der schönsten der Reithalle“. Die grosse schwere Türe, die Beleuchtung, wahrlich ein besonderer Kinosaal.
„Wände raus, Wände rein, das gehört zur Reitschule“
Geduldig führt er uns durch weitere Räume. Wie bei einem Postenlauf erreichen wir als drittes Ziel die Bibliothek namens Infoladen, nehmen darauf die Treppen hoch und gucken plötzlich in die innersten und sonst nicht öffentlichen Räume der Reitschule. Verschiedene Arbeitsgruppen haben im oberen Teil ihre Büros und Zimmer eingerichtet. An PCs und Pulten wird besprochen und geplant, in einem Nebenzimmer entsteht der riesige Spielplan für das am Abend stattfindende Pingpong-Turnier. An all dem vorbei geht es ein Stock weiter nach oben und David läuft voraus. Auf unsere Frage, ob dies hier auch renoviert wird oder worden sei, antwortet er besonnen: „Hier ändert sich immer ein wenig was. Wände raus, Wände rein, das gehört zur Reitschule“. Das destruk- und kreative Element ist eindeutig spürbar.
„Seit 20 Jahren wohne ich nun in Bern. Als ich damals hierher kam, habe ich mich in ein paar Arbeitsgruppen betätigt.“ Im Infoladen sei er zuerst gewesen, bevor er dann in die Druckerei kam. Jede AG könne zwar sehr autonom handeln, doch der Verein IKuR bilde die Verbindung zwischen allen. „Natürlich gibt es ab und zu Reibereien zwischen den Einzelnen, doch im Ganzen hat es jetzt nun seit mehr als 20 Jahren funktioniert.“ Man merkt, dass ihm dieses System wichtig und er überzeugt davon ist, dass die Reitschule so gut bestehe, gerade weil sie auf diese Weise funktioniert.
„Erich, warum bisch du nid ehrlich?“
David verabschiedet sich, wir danken und warten im Hof auf den Abend. Der steht gänzlich im Zeichen der CD-Veröffentlichung 'Reitschule beatet mehr'. Eine Musik-CD zur Abstimmung, die erste CD-Release in der Geschichte der Reitschule überhaupt. „Nach zahlreichen Abstimmungen in der Vergangenheit werden wir ein wenig routinierter. Die Zustimmung in der Bevölkerung hat aber auch zugenommen.“ Bei den Kulturschaffenden ist sie eindeutig vorhanden. Die Platte ist deswegen auch gespickt mit exklusiven Tracks von bekannten Künstlern wie Patent Ochsner, Sophie Hunger, Baze oder auch Komiker Müslüm. Letzterer feierte, am selben Abend und unter tosendem Applaus, die Videopremiere seines Songs 'Erich, warum bisch du nid ehrlich'. Spätestens jetzt wird erkenntlich, welche Umstände dieses Unterwegs zu einem speziellerem Unterwegs machen. Sogar Kuno Lauener gibt sich die Ehre und erzählt auf dem Podium neben Breitschmeitschi Steff La Cheffe von seiner Verbundenheit zur Reitschule und wieso es sie unbedingt braucht: 'Die Zeit um 1987, als die Reitschule besetzt wurde, war für uns als Band aber auch persönlich eine sehr intensive Zeit. Ob's die Reitschule braucht, da besteht keine Frage'
Alle Jahre wieder und doch ist es diesmal keine Wiederholung mehr. Die Zustimmung für die Reitschule, mit ihrem reichhaltigen und stets gewachsenem Kulturangebot, scheint seit der letzten Abstimmung gestiegen zu sein, ja vielmehr könnte die Diskussion im Vergleich zu 2005 als unnötiger denn je angesehen werden. Die erfolgreiche Entschärfung der Vorplatz-Problematik, die bessere und intensivere Zusammenarbeit mit der Stadt sowie das Ausbleiben von Kravallen über längere Zeit scheinen der Berner Stadtbevölkerung Beleg genug zu sein. Die seit 2005 geleistete Arbeit trägt Früchte und überzeugt grossflächig. Diese Anerkennung könnte am 26. September mit einem klaren Nein und einem Overall-Score von 5:0 gewonnen Abstimmung münden. Vor allem würde ein Nein zur Initiative den Gegner verdeutlichen, wie wichtig den Bernern ihre Reitschule im Jahre 2010 geworden ist. [text by: Pablo Sulzer / september 2010]
sa 18.09. ab 16h grossen halle, tojo, frauenraum, sous le pont, dachstock
http://www.reitschulebietetmehr.ch http://www.reitschule.ch http://www.endorphinentertainment.ch
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